05. Philipp TURZA. Fleischerei Turza. Ilz

Es ist immer gut, wenn der Chef alles kennt

„Was der Kunde in der Theke sieht, ist der letzte Schritt einer langen Kette.“ 
Seit dem Umbau des Fleischereifachgeschäftes steht nicht nur im neuen Geschäft eine Kaffeemaschine, sondern auch im Produktionsbetrieb. Wenn Philipp Turza frühmorgens in den Betrieb kommt, gehört sie zu seinen ersten Handgriffen: aufmachen, reinigen, frisch befüllen und für den Tag vorbereiten. Denn bevor in der Produktion richtig losgelegt wird, sollen auch die Mitarbeiter mit einem guten Kaffee in den Arbeitstag starten können.
Verantwortung sichert Arbeitsplätze in der Region
Die Regionalstelle Hartberg-Fürstenfeld hat Philipp TURZA und die Fleischerei Turza für den Follow me Award 2026 nominiert:

„Die Fleischerei Turza gehört seit sieben Generationen zu Ilz. Für die Kundschaft hat sich mit der Übergabe an Philipp Turza nichts verändert, und wir sehen in dieser Geschichte, wie viel Vorbereitung genau dafür nötig war. Vater und Sohn haben acht Jahre lang daran gearbeitet, dass dieser eine Tag ein ganz normaler Arbeitstag sein konnte.“ schildert Simone Pfeiffer, Leiterin der WKO Regionalstelle Hartberg-Fürstenfeld.

In jedem Bereich aushelfen können
Am Dienstag und Donnerstag beginnt Philipps Arbeitstag besonders früh. Um halb vier steht er selbst im Wurstraum und arbeitet gemeinsam mit seinen Mitarbeitern in der Produktion. Die Wurstherstellung ist bis heute eine seiner größten Leidenschaften. Sie braucht Erfahrung, Fingerspitzengefühl und ein Gespür für viele kleine Details, die sich nicht einfach aus einem Lehrbuch lernen lassen.

„Es ist nie schlecht, wenn der Chef alles kann“, hat sein Vater Karl Turza immer gesagt. Diesen Satz hat Philipp mitgenommen. Er absolvierte die HTL für Lebensmitteltechnologie in Hollabrunn und arbeitete danach einige Jahre auswärts, vor allem in der Schinken- und Wurstproduktion. Schon am ersten Tag dort wusste er, dass sein Weg irgendwann wieder zurück nach Ilz führen würde.

Nach seiner Rückkehr wollte er möglichst viel vom eigenen Betrieb kennenlernen. Deshalb arbeitete er nicht nur in der Produktion, sondern auch sechs Jahre im Verkauf und in der Küche, beim Catering, aber auch in der Schlachtung. Ihm ging es darum, die einzelnen Bereiche wirklich zu verstehen.

Dieses Wissen kommt ihm heute zugute. Wenn er im Geschäft oder in der Produktion etwas anspricht, wissen seine Mitarbeiter, dass er die Arbeit nicht nur aus dem Büro kennt. Er hat selbst lange genug in den einzelnen Bereichen gestanden und weiß, was dort jeden Tag geleistet wird.
Der Tag, an dem nichts passiert ist
Übergeben hat ihm sein Vater den Betrieb im Oktober 2024. Philipp war zu diesem Zeitpunkt bereits acht Jahre im Unternehmen. Diese acht Jahre nutzten Vater und Sohn, um Schritt für Schritt zu klären, wer welche Aufgaben übernimmt, wann Verantwortung übergeht und wie es weitergeht, wenn Karl Turza in Pension geht.

Als der Tag der offiziellen Übergabe schließlich gekommen war, hat sich im Arbeitsalltag deshalb kaum etwas verändert. Die wesentlichen Fragen waren längst geklärt. Sein Vater Karl ist weiterhin im Betrieb: Er koordiniert, wann Schweine und Rinder bei den Landwirten abgeholt beziehungsweise geschlachtet werden, und hält den persönlichen Kontakt zu den bäuerlichen Lieferanten.
Der Betrieb ist wichtig, aber nicht allein
In der langen Geschichte eines Familienbetriebes war es oft schwer, gemeinsame Zeit als Familie zu haben. Umso wichtiger war die Zeit, die tatsächlich zur Verfügung stand. Philipps Vater nahm seinen Sohn deshalb gerne zu seinen Hobbys mit: zum Fischen oder zum Eisstockschießen.

Heute ist Philipp selbst Vater, und damit hat sich auch sein Blick auf Arbeit und Familie verändert. Die Firma ist nach wie vor ein sehr großer Teil seines Lebens. Die Arbeitstage beginnen früh, die Verantwortung endet nicht mit dem Zusperren des Geschäftes und vieles lässt sich nicht nach einer fixen Uhrzeit beenden. Aber seit der Geburt seines Sohnes ist der Betrieb nicht mehr alles.

Zu Hause hat er sich deshalb ein Büro eingerichtet, von dem aus er auf die Systeme der Firma zugreifen und weiterarbeiten kann. Die Arbeit wird dadurch nicht weniger – aber sie findet ein Stück näher bei seiner Familie statt. Der schönste Moment des Tages ist für Philipp nämlich der, wenn er nach Hause kommt und sein Sohn ihn sieht, mit strahlendem Lächeln auf ihn zuläuft und „Papa, Papa“ ruft. Gerade weil die Arbeit so viel von ihm braucht, versucht Philipp, die gemeinsamen Momente bewusst zu nutzen.
Birgit – Quereinsteigerin mit den besten Voraussetzungen
Ein wichtiger Teil dieser Entwicklung ist auch Philipps Partnerin Birgit Samer. Sie führt heute das neue Fachgeschäft in Ilz und war bereits vor dem großen Umbau dafür verantwortlich. Vor rund vier Jahren haben die beiden gemeinsam entschieden, dass die gelernte Floristin in den Familienbetrieb einsteigt.

Eine „komplette“ Quereinsteigerin ist sie allerdings nur auf den ersten Blick. Sie stammt selbst aus einer landwirtschaftlichen Familie, in der Schweine gemästet werden, und hatte dadurch schon von klein auf einen Bezug zu Landwirtschaft und Lebensmitteln.

Was sie aus ihrem ursprünglichen Beruf mitgebracht hat, hat sie dabei nie verloren: ihre Kreativität und ihr Auge für Details. Das sieht man besonders bei den von ihr gelegten Platten, bei denen ihre gestalterische Handschrift ganz deutlich sichtbar ist.
Was hinter einer Wurst steckt
Was Philipp Turza übernommen hat, ist mehr als das Geschäft, das die Ilzer kennen. Über vierzig Leute arbeiten in der Firma, vier davon sind Lehrlinge. Dahinter stehen ein EU-Schlachthof, die eigene Produktion, die Küche und das Catering. Beliefert werden Wirte und Buschenschanken, Märkte und andere Fleischer, die selber nicht schlachten, in der Steiermark, im Burgenland und in Niederösterreich.

Was der Kunde am Ende in der Theke sieht, ist nur der letzte Schritt einer langen Kette. Hinter einem Paar Frankfurter, einem Käsekrainer oder dem Stück Schinken stehen die Auswahl der Rohstoffe, die Schlachtung, die Verarbeitung, handwerkliches Können, Erfahrung und viele Arbeitsstunden. Während am Nachmittag die fertigen Produkte selbstverständlich in der Verkaufstheke liegen, hat ihre Herstellung oft schon begonnen, als der Großteil der Kunden noch geschlafen hat.
Gemeinsames endet nicht am Eingang
Die Fleischerei Turza ist ein großer Betrieb, der sich mit mehreren Standbeinen ständig weiterentwickelt. Und genau von diesem Punkt aus denkt Philipp Turza weiter. Er schaut auf eine lange Familientradition zurück: Als siebente Generation hat seine Familie viele Veränderungen erlebt – im eigenen Betrieb genauso wie in der Umgebung. Vielleicht war genau diese Verbundenheit mit Ilz einer der Gründe, warum Philipp sich entschied, das Projekt „Neuer Marktplatz“ zu beginnen.

Am Anfang stand ein großes Haus seiner Familie – ein Gebäude, in dem bereits Generationen vor ihm gelebt hatten und in dem auch Philipp selbst mehr als zwanzig Jahre seines Lebens verbracht hatte. Aus diesem Ort und seiner Geschichte entstand die Idee, gemeinsam etwas Neues für die Ortsmitte von Ilz zu schaffen.

Nicht einfach ein neues Gebäude, sondern einen Platz, an dem Einkaufen, Arbeiten, Gastronomie und Begegnung zusammenkommen. 2023 fiel schließlich gemeinsam die Entscheidung, das Projekt umzusetzen. Heute sind große Teile dieser Vision Realität.

Das bestehenden Gebäude wurde in ein modernes Fachgeschäft mit Feinkost, Mittagstisch und einem täglich von 4 bis 23 Uhr geöffneten SB-Shop verwandelt. Dazu kamen großzügige Sitzmöglichkeiten im Innenbereich und eine große Terrasse. Aus dem klassischen Fleischereifachgeschäft ist damit ein Ort geworden, an dem Menschen einkaufen, zu Mittag essen, einen Kaffee trinken oder einfach für eine Weile zusammenkommen können.

Nun beginnt der letzte große Teil des Projektes: die Errichtung des öffentlichen Parkplatzes und der Bau des neuen EUROSPAR. Wenn auch diese Arbeiten abgeschlossen sind, soll aus der ursprünglichen Idee endgültig das werden, was von Anfang an die Vision war – ein neuer Platz der Begegnung mitten in Ilz.

Es wurde so gebaut, weil Ilz einen Ort zum Einkaufen, Zusammenkommen und zum Stehenbleiben bekommen sollte.
Am Samstagvormittag wird es im Betrieb langsam ruhiger. Dann sitzt Philipp oft alleine im Büro und erledigt jene Dinge, für die während einer vollen Arbeitswoche die nötige Ruhe oder schlicht die Zeit gefehlt hat.

Angebote werden fertiggestellt, Unterlagen aufgearbeitet, neue Ideen durchgedacht und die kommende Woche vorbereitet. Es sind die ruhigen Stunden der Woche, in denen vieles erledigt wird, was im täglichen Betrieb liegen geblieben ist.

Schlüsselfaktoren

  • Was einmal geklärt ist, muss nicht mehr entschieden werden. Acht Jahre vor dem Stichtag haben Vater und Sohn begonnen zu besprechen, wer was macht und ab wann. Am Tag der Übergabe war dann nichts mehr offen. Von außen schaut so eine Übergabe unspektakulär aus. Genau das ist die Leistung.
  • Jede Generation schafft sich bewusst mehr Zeit für die Familie. In einem Familienbetrieb war gemeinsame Zeit nie selbstverständlich. Philipps Vater nahm seinen Sohn deshalb gerne zu seinen Hobbys mit, um die wenige freie Zeit gemeinsam zu verbringen. Heute ist Philipp selbst Vater und versucht ebenfalls, trotz der vielen Arbeit bewusst Zeit für seine Familie zu schaffen. Wenn es möglich ist, nimmt er seine Arbeit mit nach Hause und erledigt sie von dort – damit neben der Verantwortung für den Betrieb auch möglichst viele gemeinsame Momente mit seinem Sohn Platz haben.
  • Wer den Ort stärkt, stärkt den eigenen Betrieb. Ein Fachgeschäft, eine Bank und ein Markt an einem Platz, dazu Parkraum für alle: Was zuerst nach einem Projekt der Gemeinde ausschaut, ist eine unternehmerische Entscheidung. Wer will, dass die Leute im Ort einkaufen, muss ihnen einen Ort geben, an dem das leicht ist.
Ein Tipp rund um die Betriebsnachfolge
"Welche steuerlichen Begünstigungen gibt es?"

Die möglichen steuerlichen Begünstigungen sind von der vorliegenden Rechtsform abhängig. Jede dieser Rechtsformen bietet unterschiedliche Gestaltungsmöglichkeiten mit entsprechenden Vor- und Nachteilen bei der Unternehmensübergabe.

Mag. Dr. Peter Dösinger LL.M, Dr. Dösinger & Partner Steuerberatungsgesellschaft mbH und Experte im Follow me Netzwerk.

Fleischerei Turza

Philipp TURZA und seine Empfehlung

Kommen Sie zum Mittagstisch, da sehen Sie am ehesten, was bei uns aus der Küche kommt. Und wenn es einmal später wird: Der SB-Shop hat täglich von vier in der Früh bis elf am Abend offen.

Fotoquelle: Jürgen Brunner 2026.
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Diese Geschichte ist im Gespräch entstanden. Zugehört und nachgefragt hat Birgit Mayer. Beim Ordnen und Formulieren hat künstliche Intelligenz mitgearbeitet. Was hier steht, haben die Menschen freigegeben, über die der Text erzählt.

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