04. Kathrina PRATTES. Bäckerei Rothwangl. Krieglach

So viel wie nötig, so wenig wie möglich

„Ich war als Sozialarbeiterin noch nie so wirksam wie jetzt als Eigentümerin in dieser Bäckerei.“ 
Kathrina Prattes isst in der Früh am liebsten ein Semmerl mit Butter und Honig. Bevor sie sich hinsetzt, ist sie schon einmal durch den ganzen Betrieb gegangen, von der Backstube bis in den Verkaufsraum. Vier Teams … an ihrem Tempo merkt sie, was der Tag braucht.
Ein Gespür dafür, was die Menschen brauchen
Die Regionalstelle Bruck-Mürzzuschlag hat Kathrina PRATTES und die Bäckerei Rothwangl für den Follow me Award 2026 nominiert:

„In der Bäckerei Rothwangl schmecken die Semmeln wie früher, weil auf eine lange Tradition beim Sauerteigbrot-Handwerk aufgebaut wird und die Rezepte vom Großvater noch im Einsatz sind. Was sich seit der Übernahme verändert hat, sieht man nicht in der Auslage. Man erlebt es beim Einkauf und im Gespräch mit dem tollen Team. Das außergewöhnliche Gespür dafür, was die Menschen in ihrem Betrieb brauchen, zeichnet die neue Chefin aus.“ schildert Martina Romen-Kierner, Leiterin der WKO Regionalstelle Bruck-Mürzzuschlag.
Die ganze Bandbreite, jeden Tag anders
Hektisch, mürrisch, lebendig, lustig. In der Bäckerei Rothwangl ist die ganze Bandbreite da, sagt Kathrina Prattes, und kein Tag ist wie der andere. 23 Menschen arbeiten hier, und das Miteinander ist wie ein Uhrwerk: „Wenn es irgendwo hakt, sind ruck-zuck alle betroffen.“ An manchen Tagen ist sie um halb zwei in der Backstube, an manchen erst um acht. Aber der erste Weg ist immer der gleiche: Einmal durch die Backstube, zuhören, was der Fahrverkauf erzählt, schauen, was das Reinigungsteam zu tun hat. Und hineinriechen, was das Team im Verkauf für den Tag vorbereitet hat. Dabei geht es nicht um das Gebäck. Es geht darum, wahrzunehmen, was die Teams heute brauchen. Einen Schmäh, ein klares Wort oder einfach ruhigen Halt.
Es braucht ein Dorf
Die Maschinen in der Backstube stammen vom Vater und Großvater aus den Siebziger- bis Neunzigerjahren. Die Rezepte auch. Als letzten Sommer der Kipfelwickler ausfiel, Ersatzteile gibt es für so eine Maschine nicht mehr alle, rief Kathrina Prattes einen über achtzigjährigen Bekannten aus dem Chor an. Der schraubte mit ihr und ihrem Cousin daran herum, bis klar war: Diese Maschine ist nicht mehr zu retten. Ein ehemaliger Bäcker aus der Gegend hatte noch eine vergleichbare, die außer Betrieb ist. Die Kameraden des Vaters von der Feuerwehr halfen, sie in die Backstube zu bringen. Der Elektriker schloss sie neu an, weil die Verkabelung anders war. Am nächsten Morgen lagen die Kipferl wie gewohnt in der Auslage, und viele Hände aus Krieglach haben dabei mitgeholfen.

„Es braucht nicht nur ein Dorf, um ein Kind großzuziehen“, fasst Kathrina Prattes schmunzelnd zusammen, „sondern auch, um eine Bäckerei zu führen.“ Von der Kinderkrippe bis zum Pflegeheim, von den Schulen bis zu den Stammkund:innen, die jeden Morgen an der Theke ein paar Worte wechseln, bis zu den Café-Besucher:innen, die hier ein fröhliches Gegenüber treffen, in einem Ambiente, das Kathrinas Mutter liebevoll dekoriert hat: An diesem Ort laufen die Fäden einer Gemeinschaft zusammen. Und alle Vielfalt einer Region geht jeden Tag bei der Tür ein und aus.

Wenn Kathrina in ihrem Büro sitzt, hört sie gerne, wie die Kolleginnen im Verkauf miteinander eine Gaude haben, wie die täglichen Sorgen und Freuden der Kunden Raum finden und wie man sich gegenseitig durch einen freundlichen Zuspruch zu helfen weiß: Das sind die Momente, die sie am meisten berühren. „Weil bei euch ist es so freundlich und lustig“, hört sie immer wieder von ihren Kundinnen. „Und genau dafür habe ich die Nachfolge angetreten!“
Noch nie so wirksam
Dass sie einmal eine Bäckerei führen würde, war nie der Plan, obwohl ihr das Unternehmerische vermutlich doch von ihren Eltern in die Wiege gelegt wurde. Kathrina Prattes hat IT-Systeme administriert, in der Automobilindustrie gearbeitet, große Pflegeteams geführt, als Sozialarbeiterin beraten. Engagiert, kompetent, manch einer würde von außen betrachtet sagen erfolgreich. Aber es hat etwas gefehlt.

Sie war gerade dabei, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen, als ihr Vater ankündigte, in Pension zu gehen. Und sie dachte sich: Bevor ich jetzt etwas Neues anfange, probiere ich es dort, wo ich herkomme. Zwei Wochen später stand sie in der Backstube. Gerade zur rechten Zeit, um als Fünfte dank der Unterstützung aller in der Familie die Bäckerei-Geschichte fortzuführen.

„Ich kann hier in der Bäckerei noch so viel mehr bewirken als ich früher als Sozialarbeiterin erreichen konnte“, sagt sie mit einer fast demütigen Dankbarkeit. Was sie aus jedem ihrer früheren Berufe mitgebracht hat, passt hier zusammen. Qualitätsstandards aus der Industrie, Prozesse aus der IT, und vor allem der Blick dafür, was zwischen Menschen passiert, wenn sie jeden Tag Seite an Seite arbeiten.

„So viel wie nötig, so wenig wie möglich“ verändern, das ist ihr Leitsatz. Die Rezepte bleiben die des Großvaters. Die Maschinen stehen, solange sie laufen und ihr Vater und sie diese gemeinsam am Laufen halten können. Was wächst, darf im eigenen Tempo und leise wachsen: mehr Gespräche, mehr Raum, mehr Vertrauen darauf, dass jede und jeder etwas mitbringt, das dem Ganzen guttut.
Am Abend nimmt Kathrina Prattes ein Brot mit nach Hause. Mischbrot, Butter, Kräutersalz. Stimmig, würde sie sagen.

Schlüsselfaktoren

  • Führen heißt zuerst sehen. Kathrina Prattes geht morgens durch ihren Betrieb und spürt, was die Teams brauchen. Was die großen Unternehmen dieser Welt mit Millionenbudgets erst erforschen mussten, nämlich dass Menschen dann am besten arbeiten, wenn sie sich wahrgenommen fühlen, lebt sie in Krieglach. Nicht als Methode. Als Haltung, die sie ein ganzes Berufsleben lang geschärft hat.
  • Leise verändern. In einer Zeit, in der jedes Geschäftsmodell innovativ sein soll, ist das ein Gegenmodell, das mehr Mut braucht als die große Revolution. Darauf vertrauen, dass ein Betrieb in seinem eigenen Tempo reift, wenn der Boden stimmt.
  • Halt geben. Eine Theke, an der Stammkunden jeden Morgen ihr Gegenüber finden, ist keine Nostalgie. In einer Welt, die einsamer geworden ist, ist sie Zukunft. Wer Halt gibt, braucht Haltung. Kathrina Prattes kann beides.
Ein Tipp rund um die Betriebsnachfolge
In vielen Handwerksbetrieben laufen Maschinen, die es längst nicht mehr zu kaufen gibt. Wann Instandhalten die richtige Antwort ist und wann es eine andere Lösung braucht, stellt sich in jeder Generation neu.

"Betriebsanlage & MitarbeiterInnen – was gilt es aus technischer Sicht zu beachten?"

Rechtliche Vorgaben und der anerkannte bzw. praxiserprobte Stand der Technik sind einzuhalten. Das Funktionieren einer Maschine allein ist ebenso wenig ausreichend wie die Auflagenerfüllung eines Genehmigungsbescheids aus längst vergangenen Tagen.

Ing. Rudolf Mark, Fachgruppe der Ingenieurbüros und Experte im Follow me Netzwerk.

Bäckerei Rothwangl

Kathrina PRATTES und ihre Empfehlung

Mischbrot, Butter, Kräutersalz. Mehr braucht ein gutes Sauerteigbrot nicht, damit man schmeckt, was drinsteckt.

Fotoquelle: Nici Seiser, nixxipixx 2026.
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Diese Geschichte ist im Gespräch entstanden. Zugehört und nachgefragt hat Birgit Mayer. Beim Ordnen und Formulieren hat künstliche Intelligenz mitgearbeitet. Was hier steht, haben die Menschen freigegeben, über die der Text erzählt.

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