Noch nie so wirksam
Dass sie einmal eine Bäckerei führen würde, war nie der Plan, obwohl ihr das Unternehmerische vermutlich doch von ihren Eltern in die Wiege gelegt wurde. Kathrina Prattes hat IT-Systeme administriert, in der Automobilindustrie gearbeitet, große Pflegeteams geführt, als Sozialarbeiterin beraten. Engagiert, kompetent, manch einer würde von außen betrachtet sagen erfolgreich. Aber es hat etwas gefehlt.
Sie war gerade dabei, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen, als ihr Vater ankündigte, in Pension zu gehen. Und sie dachte sich: Bevor ich jetzt etwas Neues anfange, probiere ich es dort, wo ich herkomme. Zwei Wochen später stand sie in der Backstube. Gerade zur rechten Zeit, um als Fünfte dank der Unterstützung aller in der Familie die Bäckerei-Geschichte fortzuführen.
„Ich kann hier in der Bäckerei noch so viel mehr bewirken als ich früher als Sozialarbeiterin erreichen konnte“, sagt sie mit einer fast demütigen Dankbarkeit. Was sie aus jedem ihrer früheren Berufe mitgebracht hat, passt hier zusammen. Qualitätsstandards aus der Industrie, Prozesse aus der IT, und vor allem der Blick dafür, was zwischen Menschen passiert, wenn sie jeden Tag Seite an Seite arbeiten.
„So viel wie nötig, so wenig wie möglich“ verändern, das ist ihr Leitsatz. Die Rezepte bleiben die des Großvaters. Die Maschinen stehen, solange sie laufen und ihr Vater und sie diese gemeinsam am Laufen halten können. Was wächst, darf im eigenen Tempo und leise wachsen: mehr Gespräche, mehr Raum, mehr Vertrauen darauf, dass jede und jeder etwas mitbringt, das dem Ganzen guttut.