06. Sophie KULMER. Kulmer Fischrestaurant. Birkfeld

Danke fürs Mitfiebern!

Im Oktober haben unzählige Stimmen uns gezeigt, wie sehr gelebte Nachfolge berührt. Das Voting ist nun abgeschlossen – und wir sagen von Herzen Danke an alle, die mitgestimmt, geteilt und uns unterstützt haben.
WKO_Follow_me_Award am 18.11.2025

Wir haben gewonnen!

Mit eurer Unterstützung sind wir auf den zweiten Platz in der Kategorie "familien-interne Nachfolge" gekommen - wir freuen uns sehr über diese Auszeichnung und die Preise.

Fischgenuss in Weiz: Leben und Arbeiten im vollen Haus

„Bei uns wuseln oft 200 Menschen – und genau das macht mir Freude, weil wir’s gemeinsam tragen.“ 

Seit 1. Jänner 2025 führt Sophie Kulmer das Fischrestaurant Kulmer ihrer Familie in Weiz. In einem Haus, in dem selten Ruhe einkehrt, mischen sich Stimmengewirr, Tellerklirren und Kinderlachen. Für andere wäre es Chaos, für Sophie ist es ihr Zuhause. Gäste spüren sofort, dass hier Freude an der Arbeit das Herzstück ist und sie in der Familie willkommen sind.
Sophie Kulmer wächst ins Fischrestaurant hinein Schon als Kind war sie gerne mittendrin, in der Schulzeit wollte sie Abstand, nach der Matura kam sie zurück. Sie baute das Qualitätsmanagement in der Räucherei ihres Vaters auf und stand immer wieder im Gasthaus. „Ich mag es, wenn man Dinge umsetzt und gleich sieht, was dabei herauskommt.“

Heute führt sie das Fischrestaurant in Weiz: „Wenn man weiß, was man selber kann, dann macht’s auch Spaß.“ Und parallel die Villa Talhof in Bad Gleichenberg, eine Frühstückspension mit zwölf Zimmern, die Raum für Yoga-Wochenenden, Seminare und Basen-Fasten bietet. Früher hat sie sich gefragt, warum ihr Vater diesen zusätzlichen Standort übernommen hat. Heute weiß sie: Ohne diesen Ort würde ihr etwas fehlen.
„Wir haben uns beide fest vorgenommen: Man darf Kindern ihre Wege zutrauen. Wenn Sophie also eine Idee hat, dann ist es klüger, wir ziehen mit: Denn sie hat ein wirklich gutes Näschen für das, was unsere Gäste gerne mögen.“ kommen die Eltern Anna und Franz Kulmer ins Schwärmen über die Zielstrebigkeit ihrer Tochter.
Die Herausforderung
Gleichbleibende Qualität beim Fisch ist das A und O. Gleichzeitig steigen die Preise, während die Kaufkraft sinkt. Dazu kommt die Organisation im Alltag: Familie, Mitarbeiter:innen, Gäste, Kinder – alles greift ineinander. „Es gibt Tage, da stapeln sich Bestellungen, Kinder rennen durchs Haus, das Telefon klingelt. Und trotzdem findet sich jemand, der mit einem Lächeln serviert.“

Und dann noch das wuselige Haus, in dem an manchen Tagen 200 Menschen ein- und ausgehen. „Es ist genug Platz und genug Freude – so funktioniert Familie und Arbeit unter einem Dach.“
Die Chance
Mit der offiziellen Übergabe kam ein neues Bewusstsein: „Alles, was meine Familie hier aufgebaut hat, darf ich jetzt weiterführen.“ Dieses Verantwortungsgefühl trifft auf ein starkes Team, das seit Jahren zusammenarbeitet.

Eine gleichbleibende und gut überschaubare Speisekarte gibt den Gästen Sicherheit. Gleichzeitig öffnet Sophie Türen für Neues: „Wenn Gäste nach Jahren dieselbe Forelle bestellen und beim ersten Bissen lächeln: Das ist Beständigkeit, die trägt. Und genau das ist in turbulenten Zeiten ein Schatz. Gleichzeitig freu ich mich, wenn jemand das erste Mal ein vegetarisches Kulmer-Menü probiert und begeistert ist.“
Diese familienINTERNE Nachfolge lebt von viel Herzblut – und von ein paar entscheidenden Schritten, die den Erfolg ermöglicht haben.
 

Schlüsselfaktoren

  • Schulter an Schulter in der Familie arbeiten
  • Ein eingespieltes Team, das Verantwortung trägt
  • Unterstützung durch den Ehemann bei Technik und Organisation
Der Weg: So wurde angepackt
Das schon immer vieles ausprobiert wurde, ist Tradition in der Familie Kulmer: Im Herbst Wildwochen im Fisch-Restaurant oder Vorspeisen mit asiatischem Einschlag. Seit 1. Jänner 2025 ist die Übergabe offiziell und nun ist es an Sophie, die nächsten Neuerungen zu Erfolgen zu machen, wie zum Beispiel vegetarische oder vegane Gerichte. Die Hauptspeisen blieben bewusst konstant: Forelle gebraten oder gebacken, im Ganzen oder als Filet.

In der Villa Talhof wird von Sophie stark auf Seminare & Workshops gesetzt, die Raum für neue Gästeerlebnisse schaffen.

Was ist alles gleich geblieben - und warum funktioniert es?
Am stärksten spürt Sophie selbst den Unterschied beim Umgang mit dem Konto: Eigene Zahlungen, volle Verantwortung. „Ich bin jeden Tag dankbar für die vielen kleinen und großen Herausforderungen. Und es ist so schön, dabei Schulter an Schulter mit meiner Familie zu arbeiten.“ Die Gäste merken die Veränderung gewollt nicht: Neue Vorspeisen gibt es immer wieder, saisonale Ergänzungen werden schon lange von allen Familienmitgliedern eingebracht. Gleichzeitig ist da die Verlässlichkeit der Karte – und genau das schätzen die Stammgäste. Es bestätigt sich täglich: Freude, Beständigkeit und Offenheit schließen einander nicht aus.
Was hast du während der Übergabe gelernt, das du anderen mitgeben möchtest?
Sophie Kulmer: „Ich habe gelernt, dass man vieles gleichzeitig tragen kann, wenn man’s gemeinsam und mit viel Herzblut macht. Mein Mann Manuel, die ganze Familie, das Team, unsere Gäste - das greift alles jeden Tag ineinander.“

Wie fühlt sich die neue Rolle für Dich an?
Sophie Kulmer: „Dass das Restaurant jetzt wirklich meins ist, das ist für mich nicht entscheidend. Ganz im Gegenteil: Mir ist wichtig, dass jeder von uns ein Teil vom Ganzen ist. Und manchmal steh ich am Abend im leeren Gastraum, schau auf die gedeckten Tische und denk mir: Jeder Teller, der da rausgeht, ist ein Stück von uns - nie nur meins. Wir machen es gemeinsam, und genau das macht mich stolz.“
 
Ein Tipp rund um die Betriebsnachfolge
"Wie können Nachfolger:innen die Aktualität von Betriebsanlagen und deren Rechtskonformität vor Nachfolgeantritt überprüfen?"

Eine Überprüfung der Betriebsanlage bis in eine Detailtiefe wird Nachfolgern schwer möglich sein. Allerdings gibt es ein paar wichtige Anhaltspunkte einer Stichprobe, die sehr hilfreich sind, sich zunächst zu orientieren ...

Ing. Rudolf Mark, Fachgruppe der Ingenieurbüros und Experte im Follow me Netzwerk.
Einander auf Augenhöhe begegnen
„Wenn meine Küchenhilfe als Erste den Ofen einschaltet und mein Mann Manuel später noch rasch eine Reparatur macht, dann weiß ich: Wir ziehen alle am gleichen Strang.“ Das beschreibt Sophie’s Team am besten. Zwölf Mitarbeiter:innen, viele seit Jahren dabei. Die Abläufe sind eingespielt, und trotzdem ist Platz für Eigeninitiative. Sophie steht selbst in der Küche und geht mit Tellern hinaus: „Mir ist wichtig, dass Gäste sehen, wie sehr ich mich über jeden einzelnen freue. Egal ob Familien hier feiern oder Firmen, oder ob Wanderer und Motorradfahrer zu Gast sind: Wenn ich mit dem Fisch aus der Küche komme, dann spüren die Leute 'Hier bin ich willkommen!'.“
Der Blick nach vorne
Sophie sieht die Zukunft „zart zuversichtlich“. Ihr Ziel: Das Restaurant auf der jetzigen Größe gut halten. Aufhören, nur weil andere es müssen, ist keine Option. Freude bleibt das Leitmotiv, auch wenn die Zeiten herausfordernd sind. Neue Impulse gibt es immer wieder: „So wie sich die Karte im Herbst mit Wildwochen verändert, so soll auch der Betrieb immer wieder frischen Atem bekommen.“ Denn die Familie Kulmer behält bei, was sie schon lange praktiziert: „Wenn einer eine Idee hat, legt der andere was dazu.“
 
Ein Aushängeschild für Weiz
Andreas Schlemmer, Regionalstelle Weiz hat gute Gründe für die Nominierung.

Das Fischrestaurant Kulmer prägt die Region seit Generationen: Als verlässlicher Genussort, als Arbeitgeber und als Treffpunkt für viele Anlässe. Hier verbinden sich kulinarische Qualität, gelebte Gastfreundschaft und der Mut, neue Wege zu gehen. Damit ist das Haus weit mehr als ein Restaurant, es ist ein Stück Identität für Weiz.

„Das Fischrestaurant Kulmer steht für Genuss wie kaum ein anderer Betrieb: Volle Tische, verlässliche Qualität und eine Familie, die mit Herz führt. Sophie Kulmer zeigt dabei, wie stark eine Region wird, wenn Tradition und Zukunft an einem Tisch sitzen.“ schildert Andreas Schlemmer, Leiter der WKO Regionalstelle Weiz.
Das hat die Nachfolge mir gebracht

  • Größte Veränderung: Ich spüre jeden Tag, dass es jetzt mein Betrieb ist – mit allem, was dazugehört.
  • Erster Erfolg: Dass alle Mitarbeiter nach Corona zurückkamen und wir als Team sofort wieder da waren.
  • Nächste Challenge: Wirtschaftlichkeit in Zeiten steigender Preise sichern
06_Kulmer_Portrait4(c)Klaus Bauer
Fragen, die in meiner Nachfolge besonders relevant waren Jede Nachfolge ist anders – und doch gibt es Fragen, die helfen, den eigenen Weg klarer zu sehen. Diese haben mich besonders begleitet.

  • Bin ich bereit, Verantwortung wirklich als „meins“ anzunehmen?
  • Wie gelingt Organisation, wenn alles gleichzeitig passiert?
  • Wie kann Freude zum Prinzip werden – auch im Chaos?
  • Wie sichere ich Wirtschaftlichkeit in turbulenten Zeiten?

Wir waren gern Teil
des Follow me Awards 2025

Die Nominierung bedeutet uns viel – denn sie ist viel mehr als ein Wettbewerb: Sie hat uns gezeigt, dass viele Menschen diesen Weg mit uns feiern.
Wir tragen die Auszeichnung als Nominierte mit Stolz und sehen sie als Ansporn, unseren Betrieb weiter mit Herz, Neugier und Zuversicht zu führen.

Kulmer Fischrestaurant

Sophie KULMER und ihre Empfehlung

Mein Lieblingsgericht ist unsere Forelle gebraten oder gebacken – das ist Verlässlichkeit, die unsere Gäste lieben. Und wer gerne etwas ausprobieren mag, dem empfehle ich unsere vegetarischen Gerichte.

Zeitpunkt der Nachfolge: Jänner 2025.


Fotoquelle: Klaus Bauer 2025.
Story powered by Herz, Hirn und ein bisschen künstlicher Intelligenz. Das echte Gespräch dazu führte Birgit Mayer – ohne KI, aber mit einer ordentlichen Portion einfühlsamer Neugier.